Wert 3: Säkularität

Säkularität bezeichnet die Trennung staatlicher und religiöser Organisationen per Gesetz, die Trennung von Politik und Religion, von Staat und Kirche. Eine Theokratie hingegen ein ist Gottesstaat, in dem sämtliche Strukturen der Religion untergeordnet sind.

Die Entwicklung vom Mttelalter bis heute – säkulares versus theokratisches Menschbild:

Den säkularen Menschen zeichnet im Gegensatz zum theokratischen Menschen aus, dass er seine Religion im privaten Bereich praktiziert und göttliche Politik von der irdischen Politik trennt. Der säkulare Mensch achtet die Gesetze der Menschen und verwendet die Religion als Mittel der persönlichen und privaten Entwicklung, nicht aber um Politik zu betreiben.

Die Mitglieder einer säkularen Gesellschaft müssen keine religiösen Gesetze befolgen, die von Gott vorgegeben werden. Sie leben frei von Angst vor Bestrafungen durch religiöse Instanzen. Der säkulare Mensch ist an die Gesetze seines Staates, die von Menschen gemacht wurden, gebunden. Ob er religiöse Vorschriften befolgen möchte oder nicht, unterliegt der eigenen persönlichen Freiheit.

Religion hat sich heute nicht mehr von Staats wegen in das Denken und Handeln des Einzelnen einzumischen, ebenso darf sie keine Denk- und Handlungsverbote mehr aussprechen. Niemand kann mehr gezwungen werden, bestimmte religiöse Handlungen zu vollziehen oder bestraft werden, wenn er dies nicht tut.

Religion ist Privatsache und muss sich in einem demokratischen Land der Verfassung und den Grundgesetzen unterordnen. Die Deutungshoheit der Welt und ihrer Phänomene obliegt allein dem eigenen Verständnis. Nur der klare Verstand entwickelt immer wieder neue Wege, sich den ständig ändernden Bedingungen der Welt anzupassen und Lösungen zu finden. Es ist Aufgabe der Wissenschaft, Erkenntnisse immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, zu verifizieren oder zu falsifizieren und durch neue Einsichten zu ersetzen.

Das Gegenteil dazu ist ein Dogma – ein Glaubenssatz, der nicht hinterfragt werden darf. Erst durch den Einsatz von Vernunft konnte es zur Säkularisierung kommen, da erst das rationale Denken religiöse Dogmen demontieren konnte. Dadurch entstand in späterer Folge der Wunsch, dass das gesellschaftliche Zusammenleben durch vernunftbegründete und nicht wie vorher durch dogmatische Vorschriften geregelt werden sollte. Die Trennung von religiöser und weltlicher Macht wurde angestrebt und Säkularität konnte so in Europa Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Die strikte Trennung von weltlicher und religiöser Macht ist aus den folgenden Gründen für unsere heutige Gesellschaft äußerst wichtig:

Besitzt die Religion politische und gesellschaftliche Macht, ist es ein allzu menschlicher Zug, dass die Inhaber dieser Macht diese gerne behalten möchten. Solch ein Streben ist in diesem Zusammenhang jedoch problematisch, da das Glaubensgebäude, das diese Macht legitimiert, unter allen Umständen erhalten werden muss. Wenn Religion politische und weltliche Macht besitzt, ist die Wissenschaft eine Bedrohung für diese Macht, denn wenn die Wissenschaft auf Grund ihrer Erkenntnisse religiöse Dogmen als unlogisch aufdeckt, verlieren die religiösen Machthaber die Legitimation für ihre Regeln oder Gesetze. Nur die strikte Trennung von weltlicher und religiöser Macht garantiert, dass die Wissenschaft frei arbeiten und die Entwicklung unserer Gesellschaft stützen kann. Genau diese Trennung ist ein Grund für die wirtschaftliche und soziale Erfolgsgeschichte Europas!

Außerdem sorgt sie dafür, dass die Gesetze, die wir für unser Zusammenleben entwickelt haben, von Menschen gemacht sind. Aus diesem Grund können sie auch von Menschen wieder geändert und an neue Entwicklungen angepasst werden. Dadurch sind die Gesetze für den Menschen da und nicht der Mensch für die Gesetze. Wenn religiöse Instanzen Gesetze für das gesellschaftliche Zusammenleben bestimmen, dann berufen sich diese auf Gott. Da Gottes Wort als unfehlbar gilt, sind diese Gesetze dann im Allgemeinen nicht veränderbar und können, wenn sie veralten, zu einer großen Belastung und Einschränkung für eine Gesellschaft werden. Man denke an Gesetze aus dem Mittelalter, die heute Anwendung finden sollen, wie z.B. die religiöse Scharia-Gesetzgebung im Iran, die Steinigung als Bestrafung bei Ehebruch oder Abhacken der Hände bei Diebstahl vorsieht.

Entwicklung Säkularität

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