It always seems impossible until it’s done

– Nelson Mandela –

Was wissen Sie über Nelson Mandela? Wahrscheinlich, dass er einer der außergewöhnlichsten Freiheitskämpfer dieser Erde war. Mir ist kürzlich ein Buch in die Hände gefallen, das es uns ermöglicht, die Person Nelson Mandela aus einem unglaublichen Blickwinkel kennenzulernen: Das Buch wurde von seinem ehemaligen Gefängniswärter und späterem Freund, Christo Brand verfasst. Mit 19 wurde Herr Brand der Wärter des damals bereits 60-jährigen „gefährlichsten Terroristen“ des Landes. Mandelas und Brands Leben trafen auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island aufeinander – sie verbrachten mehr als ein Jahrzehnt gemeinsam im Gefängnis – der eine als Häftling, der andere als Wärter. Sie entwickelten eine außergewöhnliche Freundschaft, die durch viele kleine Gesten der Menschlichkeit und des Respekts entstand.

Bis zum Tod Mandelas im Jahr 2013 riss der Kontakt nie mehr ab. Der völlig unpolitische 19-jährige Brand hatte von seinen Vorgesetzten die Information erhalten, dass er dazu bestimmt war, die „schlimmsten und gefährlichsten Terroristen des Landes“ zu bewachen. Diese Gefangenen behandelten ihn jedoch mit Höflichkeit, Respekt und machten ihm keine Probleme. Er konnte auch ihre unglaubliche Kameradschaft untereinander und eine spezielle Würde in ihrem Verhalten beobachten. Insgeheim entwickelte er bereits Sympathien mit „seinen“ Gefangenen.

Mandela würde insgesamt 27 Jahr seines Lebens in Haft verbringen und war zu jenem Zeitpunkt bereits 60 Jahre alt, seine Verurteilung lautete „lebenslänglich“. Der junge Brand konnte nicht verstehen, warum Mandela sich selbst jetzt noch quälte: Er trainierte jeden Tag um körperlich fit zu bleiben, er kämpfte vom Gefängnis aus darum studieren zu dürfen und bezahlte mit dem wenigen Geld das er besitzen durfte, Studien – und Prüfungsgebühren. Er studierte sogar die Sprache seiner Unterdrücker. Erst mit der Zeit erschloss sich dem jungen Gefängniswärter, dass Mandela niemals aufgab. Er befand sich in einer völlig unmenschlichen und schier aussichtslosen Lage. Alles deutete darauf hin, dass er als alter, gebrochener Mann im Gefängnis sterben sollte – aber er gab nicht auf! Er bereitete sich auf eine Zukunft vor, in der er seinem Land zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten verhelfen wollte. Er ermutigte seine Mithäftlinge ebenso zu handeln und so wurden durch seine Vorbildwirkung einige im Gefängnis zu Akademikern! Mandela, der das gute Herz des jungen Brands schnell erkannte, ermahnte seine mit ihm inhaftierten Freunde, die seine politischen Weggefährten waren dazu, Herrn Brand niemals für ihre politischen Ziele einzuspannen. Er wusste, wie hochgefährlich das für den jungen Mann gewesen wäre und ordnete seine brennendsten Ziele der Menschlichkeit unter.

Betrachtet man den Lebensweg von Nelson Mandela, dann tauchen die Prinzipien des humanistischen Denkens und der Rationalität immer und immer wieder auf. Ein Mann, der als Staatsfeind Nummer eins unter unmenschlichen Bedingungen in Haft sitzt, wird Jahre später der erste schwarze Präsident Südafrikas und schafft das Unmögliche: Eine neue Verfassung, die Abschaffung der Rassentrennungsgesetze, das Ende des Apartheitsregimes. Mandela weiß zu jedem Zeitpunkt, dass solches im Alleingang unmöglich ist. Er setzt auf kluges, aber kompromissloses Verhandeln, was die Grundanliegen zur Abschaffung der Apartheid betrifft. Er schafft durch unglaubliche menschliche Größe das Unmögliche: Seine wachsende Macht setzt er nicht dazu ein, sich an seinen Peinigern zu rächen, sondern um ein Land, das am Rande des Kollapses steht, zu einen. Er hält 1990 nach seiner Entlassung eine Rede vor 120.000 jubelnden Zuhörern und leitet seine Politik der Versöhnung (reconciliation) ein, indem er „alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben“, zur Mitarbeit an einem „nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud.

Nelson Mandela

  • Geboren 1918 in Südafrika
  • 1939 Jurastudium
  • 1944 Gründung der Jugendorganisation des ANC (African National Congress)
  • 1956 Anklage wegen Hochverrats
  • 1964 Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Planung eines bewaffneten Kampfes
  • 1990 Freilassung
  • 1994 Wahl zum Präsidenten Südafrikas
  • 1993 Friedensnobelpreis
  • 2013 Verstorben in Johannesburg

Buchtipp:
MANDELA Mein Gefangener, mein Freund
Christo Brand
Residenz Verlag, ISBN 978 7017 3339 2

Renate Woi

Renate Woi ist Gründungsmitglied von TeamFreiheit. Ihre Aufgabenfelder in der Organisation beinhalten die Betreuung der bei TeamFreiheit aktiven Personen, die Kooperationspflege, sowie die inhaltliche Entwicklung der Arbeit von TeamFreiheit.
Ihr besonderes Anliegen ist es, Menschen zum HANDELN zu ermutigen und in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit insbesondere zum Handeln für die Freiheit. Ihren Studienabschluss absolvierte Frau Woi 2009 (Bachelor of Science in Health Studies) und ist seitdem als Ergotherapeutin tätig, derzeit am Universitätsklinikum Graz. Durch ihre klinische und extramurale Arbeit mit Menschen aller Altersstufen und mit den verschiedensten Einschränkungen, ist sie eine Expertin dafür, wie HANDLUNG möglich wird - auch unter schwierigen Umständen

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